Grundschule Esterwegen
Lernen und sich wohlfühlen

Die Region

Der Südosten von Bihar ist eine der unterentwickeltsten Regionen Indiens, wahrscheinlich der ganzen Welt. In den letzten 50 Jahren ist hier aus dem Urwald durch rigoroses Abholzen Steppe geworden, deren trockener Boden im Jahr nur eine Ernte zulässt. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus kastenlosen Ureinwohnern (Adivasi), die als Minderheit vernachlässigt und benachteiligt werden. Der Großteil der Bewohner leidet an Mangelernähung, etwa 10% der Kinder an Folgen der Kinderlähmung. Annehmlichkeiten der Zivilisation wie elektrischer Strom, fließendes Wasser, ärztliche Versorgung, Schulausbildung und eine Infrastruktur sind nicht vorhanden, nicht einmal geplant. Die Analphabetenrate beträgt bei Frauen 70%. Ein extremes Klima erschwert zusätzlich das tägliche Leben der Region: im Frühjahr herrschen Temperaturen bis 50°C im Schatten, ab Juni setzt die Regenzeit ein, die die Steppe in einen Sumpf verwandelt. Das Risiko für Infektionskrankheiten wie Malaria, Cholera und Typhus steigt in diesen Zeiten drastisch.

Das Projekt

Im Frühjahr 1995 erwarb Frau Claudia Stauss-de Caballos, nachdem sie in dreijährigem Studium in China das Diplom für Akupunktur erhalten hatte, in der Nähe der Stadt Bokharo in Bihar etwa 3,5 Hektar Land. Sie gab ihrem Projekt den Namen „Asha vihar“, was übersetzt „Ort der Hoffnung:“ bedeutet. Es entstanden anfangs drei einfache Gebäude, in denen sie seitdem zusammen mit einem von ihr zusammengestellten Team aus indischen Schülern kostengünstige - für die Ärmsten kostenfreie - Gesundheitsfürsorge anbietet. Es wird durch Fusion aus verschiedenen Heilniethoden, so auch der traditionellen, indischen Ayuvedamedizin, der chinesischen Akupunktur sowie der Homöopathie ein ganzheitlich-alternatives Prinzip angewandt, ohne jedoch völlig auf die Schulmedizin zu verzichten. Dies wird seit 1996 durch einen indischen Homöopathen sowie eine ausgebildete Hebamme, die im ständigen Team arbeiten, ermöglicht. Zusätzlich sind permanent medizinische Helfer aus der ganzen Welt anwesend, die dort angelernt werden. Zu den Hauptaufgaben des Projektes gehören neben akuter medizinischer Hilfe auch Hygieneprogramme und Reihenimpfungen für Kinder.

Zu den obersten Prinzipien und Grundbedingungen für ein Funktionieren des Projektes „Asha vihar“ gehören Optimierung der Okonomie bei höchster Beachtung der Ökologie:

Das gesamte Projekt mit seinen Mitarbeitern, von denen nur das vierköpfige nichtmedizinische, aus den umliegenden Dörfern kommende Stammpersonal ( Koch, Wäschefrau, Nachtwächter und Handwerker), bezahlt wird, kostet inklusive der Verbrauchsmaterialien monatlich etwa nur 750 DM. Das in- und ausländische medizinische Personal arbeitet unentgeltlich.

Die Stromversorgung des Projektes basiert auf Solarenergie sowie in Zukunft zusätzlich einer im Bau befindlichen Biogasanlage, die von etwa 50 Kühen gespeist werden soll. Die Wasserversorgung wird durch eine Brunnenanlage realisiert, die in der von Trockenheit und Dürre geplagten Region nicht von dem wertvollen tiefen Grundwasser, sondern von höher gelegenen Wasseradern gespeist wird.

Das nächste große angestrebte Vorhaben ist das Errichten eines Schulgebäudes und die Organisation der Ausbildung durch indische Lehrer auf dem Krankenhausgelände. Des weiteren soll eine orthopädietechnische Werkstatt eingerichtet werden, die durch den Verkauf ihrer Produkte neben Geld- und Sachspenden eine laufende Einnahmequelle für das Projekt darstellen soll. Einer der ansässigen medizinischen Helfer befindet sich zur Zeit in der Ausbildung zum Orthopädietechniker. Das Projekt „Asha vihar“ wird bislang ausschließlich durch Spendengelder und Sachspenden getragen, für deren Beschaffung und Organisation Frau Stauss-de Caballos einmal im Jahr in Deutschland, Amerika und Singapur Vorträge hält.

 

Weiter